Textfeld: Christoph Ransmayr: Der Fallmeister / S. Fischer
Sprachlich wieder ein Hochgenuss ist diese raffinierte Familiengeschichte aus einer nahen Zukunft, in der Europa nach der Klimakatastrophe in Nationalstaaten zerfällt und Wasser ein umkämpftes Gut ist. Ist der Vater als Schleusenwärter schuld an einem tödlichen Unfall? Nach seinem unerklärlichen Verschwinden macht sich der Sohn auf die Suche nach ihm, seiner Schwester und Mutter und erzählt „eine kurze Geschichte vom Töten“, so der Untertitel dieses beeindruckenden Buches.
Ashley Audrain: Der Verdacht / Penguin
Eine Mutter kann ihr Kind nicht lieben und annehmen. Ist das der Grund für das „Böse“ im Kind oder gibt es einen angeborenen Defekt? Der Vater zweifelt an der Psyche seiner Frau, bis er selbst eine neue Familie gründet. Psychologisch fein beobachtet, spannend und nachdenkenswert. 
Romalyn Tilghman: Die Bücherfrauen / S. Fischer
In Kansas haben drei Generationen von Frauen ihre Stadtbibliotheken zu Zentren der Kommunikation und Emanzipation gemacht. Und auch heute bleibt das Thema für drei starke Frauentypen aktuell: sie kämpfen erst gegen- und dann miteinander gegen Desinteresse, Männerängste und Finanznot, um ihrer geliebte Bibliothek ein neues Leben einzuhauchen. Dabei stellen sie sich ihren Ängsten, wachsen über sich hinaus und privates Glück stellt sich ein. Nach einer wahren Begebenheit, leicht zu lesen und super erzählt.
Ruth Kornberger: Frau Merian und die Wunder der Welt. / C.Bertelsmann
Die Naturforscherin Maria Merian lebt Ende des 17. Jhd. in den Niederlanden und bringt sich und ihre zwei Töchter mit Kupferstichen durch. Ihr großer Traum, in Surinam die Insektenwelt zu erforschen geht in Erfüllung, als sie einen geheimnisvollen Mann kennen- und lieben lernt. Ein starkes historisches Frauenleben in einem aufregenden Umfeld, spannend erzählt.
Thea Dorn: Trost – Briefe an Max / Penguin 
Die Trauer um den Tod ihrer lebenslustigen Mutter an Corona verarbeitet Johanna in Briefen an ihren Freund, der mit vielsagenden Kunstpostkarten antwortet. Eine philosophische, persönliche Auseinandersetzung mit Trost und Versöhnung in religionsfeindlichen Pandemiezeiten. Was ist, wenn man durch Angst vor dem Tod das Leben verlernt? Nachdenkenswert und diskussionswürdig.
Julian Barnes: Der Mann im roten Rock / KiWi
Achtung kein Roman, sondern ein beeindruckendes Sachbuch aus der Feder einer meiner Lieblingsautoren. Die Geschichte von Samuel Pozzi (1846 -1918), einem charismatischen Mediziner, und seinen Freunden in Literatur, Politik, Kunst und Wissenschaft. Ein intellektuelles Lese- und Seh-Vergnügen aus der Welt des untergehenden 19. Jahrhunderts in Frankreich und England.

Textfeld: Juli Zeh: Über Menschen / Luchterhand
„Unter Leuten“ wird von der Autorin getoppt: hier wieder ein Leben in der brandenburgischen Provinz mit deutlich weniger Personal und entschlackter Handlung. Die Themen sind Landleben, Corona, AfD und Homeoffice. Und die Erkenntnis, dass Menschen wichtiger sind als Gesinnung, Vertrauen mehr als Abgrenzung, tätige Hilfe mehr als Abschottung. Intelligente Unterhaltung mit Mehrwert!
Ewald Arenz: Der große Sommer / Dumont
Wieder einmal ein berührender Roman eines begnadeten Erzählers. Der 16 jährige Friedrich muss in den Ferien zu Hause bei seinen Großeltern bleiben, um Schulstoff nachzulernen. Zähneknirschend fügt er sich und erlebt einen einzigartigen Sommer, der ihn erwachsen macht. Er verliebt sich unsterblich, wächst am Beispiel seiner Großeltern und erlebt intensive Freundschaft mit Höhen und Tiefen. Klug, warmherzig und authentisch.
Moritz Heger: Aus der Mitte des Sees / Diogenes
Ein junger Benediktiner am Scheideweg. Schwimmend versucht er sich klar zu werden, was sein Lebensziel ist. Kloster oder  die Frau, die ihn berührt. Ein ruhiges, stilles Buch mit kleinen Längen.
Eva Munz: Oder sind es Sterne? / Kunstmann
Drei Männerschicksale vollenden sich in Afghanistan: Ein reicher Exilant, ein durchgeknallter amerikanischer Soldat und ein afghanischer Waise sind voll guten Willens und scheitern an sich selbst und einem unmenschlichen Krieg. Rasant, spannend und  voll verblüffender Einsichten. 
Bernardine Evaristo: Mädchen, Frau etc. / Tropen
Wenn Sie woke sein wollen, also auf der Höhe der Zeit, müssen Sie diesen faszinierenden und neuartigen Roman über 12 schwarze britische Frauen lesen - über vier Generationen, jedwede Hautschattierung und sexuelle Orientierung. 
Karin Smirnoff: Mein Bruder / Hanser
Ein kommaloser schnörkelloser Roman, dessen Handlung kaum auszuhalten ist: Gewalt, Alkohol, Inzest, Missbrauch. Und ist doch wie der Ort, wo er spielt: Schweden am Polarkreis: kalt, gewaltig und ungemütlich aber von verborgener leuchtender Schönheit. Ein unglaublicher Lesesog führt zu einem versöhnlichen Ende.
Hans Pleschinski: Am Götterbaum / C.H.Beck
Vier Literaturkenner tauschen sich auf einem abendlichen Münchenspaziergang über den Literarturnobelpreisträger Paul Heyse aus. Satirisch, kenntnisreich und sehr unterhaltsam.
Monica Helfer: Vati / Hanser
Die begnadete Schriftstellerin entwirft ein Porträt ihres kriegsversehrten Vaters, der Bücher zum Überleben braucht und auch an ihnen scheitert. Tolle Fortsetzung von „Bagage“, aber auch einzeln mitreißend zu lesen.

Textfeld: Aktuell gelesen
Textfeld: Jonas Jonasson: Der Massai, der in Schweden noch eine Rechnung offen hatte / C.Bertelsmann
Überbordend, skurril und phantastisch ist die Geschichte eines Kunsthändlers und seines Untergangs – inszeniert von seiner betrogenen Ehefrau und einem schwedischen Massai. Fast genauso so schrill wie der „Hundertjährige“, doch leider zu lang und zu lahm im Abgang. 
Rose Tremain: Die innersten Geheimnisse der Welt / Insel
Ende des 19. Jahrhundert erlebt eine junge Frau die Freuden der Liebe zu einer Frau. Sie gibt aber einem heiratswilligen Arzt eine Chance. Ein zweiter Handlungsstrang führt in den Urwald von Borneo, wo sich der Bruder des Arztes verliert. Ein richtiger Schmöker mit tollem Personal und Zeitkolorit, der nach Fortsetzung schreit!
Anette Mingels: Dieses entsetzliche Glück / Penguin
15 Leben, 15 Geschichten in einer Kleinstadt in Virginia. Toll erzählt, weitläufig verknüpft. Für Häppchenleser eine absolute Empfehlung! Aber ich mag die epische Breite weniger Handlungsstränge doch mehr!
Volker Kutscher: Olympia / Piper
Der achte Band (für mich der erste) mit Ermittler Gereon Rath rund um die Olympiade 1936. „Babylon Berlin“ geschaut zu haben war hilfreich, aber nicht unbedingt notwendig. Wendungsreicher, schlüssiger Krimi aus einer spannenden Zeit macht Appetit auf mehr! 
Daniel Glattauer: Die Liebe Geld / Zsolnay
Ein kleines Verschenkebuch für Ihren Bankberater: Ein kleiner Mann und sein Spießrutenlauf bei der Bank, um an sein gespartes Geld zu kommen. Nur um festzustellen, dass ihn die Bankbeamten lieben und alle seine Wünsche erfüllen – statt Bargeld auszuzahlen. Eine aberwitzige Groteske unter dem Motto: Wir machen den Weg frei ! 
Kristof Magnusson: Ein Mann der Kunst / Kunstmann
Ein Kunstfreunde-Verein möchte einem berühmten Maler, der sich selten in der Öffentlichkeit zeigt, ein Museum schenken und bittet um Audienz. Der Maler lässt sich bitten und entlarvt sich und seine Großmannssucht genauso wie das Ego des Bildungsbürgertums. Eine herrlich subtile ironische Betrachtung unseres Kunstbetriebes.

 

Mein Buch

des Monats:

            

                 Juli Zeh

 

           Über Menschen

 

      Luchterhand

Textfeld: Literatur-Lesung: hören und genießen        Ulrike Wolz       85591 Vaterstetten        08106/7255       ulrike.wolz@onlinehome.de

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