verändert? Kenntnisreiche, exzessive Gesteinsbeschreibungen und mäandernde Erzählweise machen die Lektüre sehr anspruchsvoll, die sprachliche Gestaltung aber ist phantastisch.

Vendela Vida: Die Gezeiten gehören uns / Hanser Berlin

Die Geschichte um eine Mädchenfreundschaft in einer Reichensiedlung in San Franzisko hat mich nicht überzeugt. Die Abhängigkeit von der stets Lügen erzählenden Freundin ist nicht schlüssig.

Delphine de Vigan: Die Kinder sind Könige / DuMont

Ein Mädchen verschwindet und die Polizei vermutet eine Entführung im Follower-Milieu. Denn die beiden Geschwister waren Stars auf ihrem eigenen you-tube-Kanal für Kleidung, Spielzeug und Ernährung. Erschütterndes und realistisches Buch über den Missbrauch durch Eltern beim Zurschaustellen ihrer Kinder.

Markus Gasser: Die Verschwörung der Krähen / C.H.Beck

London um 1700: Daniel de Foe, legte sich als Autor von Robinson Crusoe mit allen Autoritäten an und verbrachte viel Zeit im Gefängnis. Er war Unternehmer, Journalist, Kirchengegner, Geheimagent wider Willen und Intimfeind Queen Annes und fühlte sich in der Unterwelt wohler als in seinen Kreisen. Sprachlich hervorragend, anspruchsvoll im Plot.

Dror Mishani: Vertrauen / Diogenes

Inspektor Avi Avraham hat mit zwei Fällen zu tun: einer Kindsaussetzung und dem Verschwinden eines Touristen. Er gerät in ein Labyrinth aus Gewalt und Täuschung, das ihn bis nach Paris führt und nicht nur mit dem Mossad in Konflikt bringt. Spannend und geheimnisvoll.

Marie Benedict: Mrs. Agatha Christie / KiWi

Das bis heute unaufgeklärte 11tägige Verschwinden der Krimi-Autorin wird hier phantasievoll und spannend mit einer Ehekrise und einer Selbstinszenierung geschildert. Schöner Schmöker.

Ewald Arenz: Meine kleine Welt / arsvivendi

Ein begnadetet Erzähler und seine fünfköpfige Familie: Heitere Miniaturen einer ganz normalen Schicksalsgemeinschaft. Super!

Fatma Aydemir: Dschinns / Hanser

Eine großartige türkische Familiengeschichte: Aus der Sicht der Eltern und der vier Kinder wird das Leben in Deutschland erzählt und die Probleme sind universell: Mangelnde Liebe, Eifersucht, Emanzipierung vom Männer- und Frauenbild der Eltern und vor allem Schweigen und Unverständnis. Super aktuell und wirklich spannend.

Florian Illies: Liebe in Zeiten des Hasses / S. Fischer

Der Liebesreigen der Prominenz in den 30er Jahren vor dem Hintergrund des herannahenden Krieges. Eine schier unglaubliche Vielzahl von Personen wird elegant und lebendig zueinander in Beziehung gesetzt. Lesen!

Colm Toibin: Der Zauberer / Hanser

Ein ganzes literarisch/politisches Jahrhundert wird bei die-sem faszinierenden Roman über das Leben der Familie Thomas Mann lebendig. Super!

 

Dirk Schümer: Die schwarze Rose / Zsolnay

Der Gegenpapst in Avignon plant 1320  einen großen Coup zur Festigung seiner Macht. Ein Dominikaner soll vor die Inquisition und sein junger Helfer entwickelt sich beim Händel mit intriganten Kardinälen, blutrünstigen Soldaten und gelehrten Franziskanern zu einem mittelalterlichen James Bond. Toll recherchiert und brillant geschrieben! .

Thomas Krüger: Erwin, Mord und Ente / Heyne

Erster Band einer nicht ganz neuen witzigen Krimi-Reihe aus Ostwestfalen mit herrlichen Dialekt-Einschüben und einer Laufente als Hilfs-Ermittler

Anne Müller: Das Lied des Himmels und der Meere / Penguin

1872 Eine junge Frau aus Schleswig wandert nach Kalifornien aus, um als Gesellschafterin zu arbeiten und findet die Liebe. Herz und Schmerz mit einer großartigen Frauenfigur, stimmige Milieu Studien, herrlich ironische Briefwechsel mit der daheimgebliebenen Schwester.

 Fanny Andre: Zwei am Meer / DuMont

Eine 82jährige trifft auf dem Begräbnis ihres Sohnes ihre Exschwiegertochter wieder und beide beschließen ihre Depressionen mit einer gemeinsamen Reise durch die Normandie und die Bretagne zu lindern. Eine leise stille feel-good-Geschichte mit herrlichen Reiseeindrücken.

Judith W. Taschler: Über Carl reden wir morgen / Zsolnay

Das Leben von vier Generationen einer Familie aus dem Mühlviertel von 1820 – 1920 wird intensiv beschrieben. Auf jeder der knapp 500 Seiten passiert so viel, dass man den Eindruck hat, man hat vier Bücher gelesen über Ehen, Kinder, Politik, Wirtschaft und das schwere Leben am Ende der Welt. Tolle Familiengeschichte mit Aussicht auf Fortsetzung.

  Castle Freeman: Herren der Lage / Hanser

Der Sheriff von Cardiff in Vermont soll ohne Aufsehen nach der verschwundenen Tochter eines Millionärs suchen – so will es ein geheimnisvoller Anwalt. Der äußerst lakonische selbstironische Gesetzeshüter gerät in einen filmreifen Strudel von Gewalt und Intrigen und muss sich auch noch mit einem wildgewordenen Eber auseinandersetzen. Schon allein wegen der herrlichen Titelfigur sollte man diese prallen 180 Seiten lesen.

Volker Widmann: Die Molche / DuMont

Nachkriegszeit in einem bayerischen Dorf: Die Eltern müssen arbeiten, die Lehrer sind streng und das Geld knapp. Der 11jährige Max wird von einer Kinderbande gepiesackt und schiebt sich die Schuld am Tod des Bruders zu. Wie er seine Einsamkeit und seine Ängste überwindet, wird liebevoll und sinnenreich skizziert. Die Natur und seine Molche helfen ihm dabei 

Esther Kinsky: Rombo / Suhrkamp

1976 Erdbeben in Oberitalien mit tausend Toten. Wie haben die Menschen das erlebt, wie hat sich die Natur

Textfeld: Aktuell gelesen

Barbara Pym: Quartett im Herbst / DuMont

Ein stilles warmherziges Buch über die letzten Arbeitstage vor dem Ruhestand von vier Alleinstehenden im London der 70erJahre. Herrliche Charakterstudien!

Barabara Pym: Vortreffliche Frauen / DuMont

Eine unverheiratete Frau, die sich nach dem Krieg in der anglikanischen Gemeinde engagiert, wird in Ehegeschichten hineingezogen und sieht die Ehe nun nicht mehr unbedingt als Lebensziel. Ironische Betrachtung einer „alten Jungfer“.

Lars Mytting: Ein Rätsel auf blauschwarzem Grund / Insel

Der 2. Band der norwegischen Familien- und Liebesgeschichte „Die Glocke im See“ verwebt wieder alte Mythen und neue Zeiten im Bauernmilieu. Ein Buch einfach zum Wegschmökern!

Svenja Leiber: Kazimira / Suhrkamp

Ostpreußen und Bernstein spielen die Hauptrollen in diesem 100 Jahre umfassenden spannenden Familienroman.

 Maxim Leo: Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße / KiWi

Michael verhalf Ende der 80er unbewusst 127 Menschen zur Flucht in den Westen. 30 Jahre später wird die Geschichte ausgegraben und er zum Helden hochstilisiert. Ein psychologisch stimmiger „Schelmenroman“ mit einem tollen Einblick in die Ost/West-Befindlichkeiten. Mit Augenzwinkern, aber auch dem nötigen Ernst erzählt, garniert mit interessanten Protagonisten und einem Happy End.

Aja Leuthner: Via Torino / Harper Collins

Drei Generationen rebellischer Frauen, die ihr Herz in und an Italien verloren haben. Dichter Debütroman vor der Kulisse von München, Turin und Florenz.

Joachim B. Schmidt: Tell / Diogenes

Die Geschichte von Wilhelm Tell als superspannende und schnelle Abfolge von Szenen und Personen. Sehr beeindruckend!

Abigail Assor: So reich wie der König / Insel

Casablanca in den 90ern. Sarah, die junge mittellose Französin will sich den reichen unattraktiven Marokkaner Driss angeln, egal mit welchen Mitteln. Aus Berechnung wird Liebe, doch das Paar scheitert an auf den Kopf gestellten Rassenschranken. Für den Leser tut sich eine unbekannte Welt auf.

 

Mein Buch

des Monats:

            

        Dirk Schümer

 

    Die schwarze Rose

 

      Zsolnay

Textfeld: Literatur-Lesung: hören und genießen        Ulrike Wolz       85591 Vaterstetten        08106/7255       ulrike.wolz@onlinehome.de

Seite 1