Textfeld: Söhne des Hauses, der alsbald in den Krieg ziehen muss. Und schon bald sind die Spielzeugsoldaten kein Verkaufsschlager mehr und das Haus steht vor dem Ruin. Ein wunderbarer Liebes- und Familienroman mit tragischen und magischen Elementen, der durch sein außergewöhnliches Thema besticht. 
Francesca Melandri: Alle, außer mir / Wagenbach 
Das Lieblingsbuch der Buchhändler beschreibt ein Jahrhundert italienische Familiengeschichte vor dem Hintergrund der beiden Weltkriege, der menschenverachtenden Kolonisierung von Äthiopien durch die Faschisten, der korrupten Berlusconi-Ära und der Zunahme der afrikanischen Bootsflüchtlinge. Im Zentrum des Buches stehen ein Patriarch mit drei Familien, die nichts voneinander wissen, und seine fünf Kinder mit ihren aktuellen Sorgen. Sich von 600 Seiten nicht schrecken lassen! Unbedingt lesen!
Alex Capus: Königskinder/ Hanser 
Ein sich ewig streitendes Ehepaar wird im Auto eingeschneit. Der Mann erzählt eine Geschichte, um die Zeit bis zur Rettung zu verkürzen: Zur Zeit der Französischen Revolution verliebt sich der Hirte Jakob in Marie, die Tochter eines reichen Bauern. Der Vater tut alles was in seiner Macht steht, um Jakob von Marie fernzuhalten. Er schickt ihn erst in den Kriegsdienst und dann an den Hof Ludwigs XVI. Jakobs Glück aber ist erst vollkommen, als er seine Marie nach vielen Jahren der Trennung zu sich holen darf. In diese zauberhafte Liebesgeschichte mischt sich immer wieder das streitende Ehepaar im Auto ein. Das ist gekonnt und witzig gemacht. Ein ideales Buch für jedermann, als Geschenk uneingeschränkt zu empfehlen.
Christina Dalcher: Vox / S. Fischer 
Als die USA von den Bibeltreuen regiert wird, erhalten alle Frauen und Mädchen ein Kontingent von 100 Wörtern pro Tag. Ansonsten Stromschlag! Sie dürfen nicht mehr arbeiten und lernen nur, den Männern den Haushalt zu führen. Doch die Heldin – eine Spezialistin für Sprachstörungen – darf ihre Forschungen fortsetzen, weil der Bruder des Präsidenten ihrer Hilfe bedarf. Doch sie durchschaut alle finsteren Pläne und schmiedet ein Komplott. Als Thriller ist der Roman eindeutig besser als ein emanzipatorischer Frauenroman, der leider einige gute Chancen verschenkt.
Michael Ondaatje: Kriegslicht / Hanser  
In den Wirren nach dem 2. Weltkrieg lässt ein Ehepaar ihre beiden halbwüchsigen Kinder allein in der Obhut seltsamer Männer zurück. Man arrangiert sich und die Kinder erleben ein aufregendes Abenteuer nach dem anderen. Plötzlich kehrt die Mutter zurück und man lebt ein zurückgezogenes Leben auf dem Land. Nach dem Tod der Mutter erforscht der Sohn ihr Leben als Spionin. Mir hat der erste Teil supergut gefallen, der Spannungsbogen bei der Spurensuche fällt leider ab.

Aktuell gelesen

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Textfeld: Gabriel Tallent: Mein Ein und Alles / Penguin 
Achtung Hardcore! Die 14jährige Turtle wächst weltabgeschieden in den nordkalifornischen Wäldern auf. In der Natur sucht sie Zuflucht vor der besitzergreifenden Liebe ihres charismatischen und schwer gestörten Vaters. Erst als sie wahre Freundschaft erfährt, öffnet sich langsam ihre enge Welt. Aber der Vater will seine Tochter nicht loslassen. Missbrauch, obsessive Hassliebe und psychische Grausamkeit  inmitten der Schönheit der Natur ist nichts für schwache Nerven. Trotzdem eine Leseempfehlung für psychologisch Interessierte. 
Stephan Thome: Gott der Barbaren / Suhrkamp
Eine wahre überbordende Geschichte über einen chinesischen Bürgerkrieg im 19. Jhd., der 20 Millionen Toten forderte.  Eine christliche Sekte gewinnt zunehmend Anhänger und rebelliert gegen die Truppen des Kaisers. Auch die Engländer mischen mit Alle Parteien wähnen sich auf der Seite der Guten und morden im Namen ihrer Religion. Das ist mehr als aktuell. Toll recherchiert, aus wechselnden Perspektiven auf 600 Seiten super geschrieben. Mehr Herz und Schmerz hätte aber zu lustvollerer Lektüre angeregt. 
Donatella di Pietrantonio: Arminuta / Kunstmann
Eine 13Jährige wächst bei liebevollen wohlhabenden Eltern auf. Doch eines Tages wird sie ohne Kommentar zu ihren „leiblichen“ Eltern zurückexpediert. Sie kommt in eine ärmliche raue Umgebung mit vielen Geschwistern und versteht die Welt nicht mehr. Nach und nach kommt sie hinter das Geheimnis ihres Umzugs. Während sie einen Weg zurück sucht, entwickelt sie neue Bindungen und begreift, wie viel verschiedene Facetten die Liebe hat und was eine wahre Mutter ausmacht. Tolles Thema!
Jane Gardam: Weit weg von Verona / Hanser Berlin
Schnoddrig und altklug schreibt eine 13Jährige Engländerin über ihre Zeit im 2. Weltkrieg, über ihre erste Liebe, über ihre seltsamen Eltern und ihren großen Wunsch, Schriftstellerin zu werden. Sie eckt stets an, doch gibt nicht auf. Eine wunderbare kleine Geschichte übers Erwachsenwerden und die Geburtsstunde einer echten Autorin.
Christian Maintz: Vom Knödel wollen wir singen /  Kunstmann
Herrliche Gedichte-Sammlung über Essen und Trinken, Hobbyköche und Wurstverkäuferinnen. Damit kann man jedes Menü aufpeppen!
Wolfram Fleischhauer: Das Meer / Droemer
Nach der Lektüre dieses Oköthrillers werden Sie keinen Fisch mehr essen: Radikale Umweltaktivisten wissen sich keinen Rat mehr, um auf die skrupellose Fisch-Mafia und die Überfischung aufmerksam zu machen, als Fische in großem Maße zu verseuchen. Menschen werden krank und sterben, die EU-Behörden hecheln in ihren Maßnahmen gegen beide Gruppen Textfeld: Literatur-Lesung: hören und genießen        Ulrike Wolz       85591 Vaterstetten        08106/7255       ulrike.wolz@onlinehome.de
Textfeld: hinterher. Liebe, Verbrechen, weltweite Schauplätze und ein  total aktuelles Thema machen die Spannung dieses tollen Buches aus. 
Marcelo Figueras: Das schwarze Herz des Verbrechens / Nagel & Kimche
In den 50er Jahren erschien in Argentinien der Tatsachenroman „Das Massaker von St. Martin“ von Rodolfo Walsh, in dem er die Hinrichtung von 12 unschuldigen Männern durch die Polizei anprangerte. Figueras beschriebt nun in seinem anspruchsvollen Roman, wie Walsh recherchierte, wie Literatur in einer Diktatur funktioniert, wie Fiktion die Realität beeinflusst und was Schreiben mit dem Autor macht. Spannend, philosophisch und hoch politisch
Elizabeth H.Winthrop: Mercy Seat / Beck
Eine  bekannte Geschichte, literarisch herausragend erzählt: Ein junger Schwarzer, angeklagt wegen Vergewaltigung, wartet in der Todeszelle auf seine Hinrichtung. Alle, wirklich alle,  wissen, dass er unschuldig ist, keiner wagt zu protestieren. Was geht in den letzten Stunden in den Dorfbewohnern, Eltern, Anklägern und dem Henker vor? Ein stimmiges Psychogramm und ein überraschendes (aber wahres) Ende. Toll!
J. Courtney Sullivan: All die Jahre / Zsolnay
Zwei Schwestern aus Irland wandern nach N.Y. aus. Die Pflichtbewusste ist bereits verlobt, die Leichtlebige wird schwanger. Nach 40 Jähriger Trennung treffen sie sich auf einer Beerdigung wieder: der Älteste der vierfachen Mutter ist bei einem Autounfall gestorben, die andere kommt aus dem Kloster. Eine wunderbare Familiengeschichte um Pflicht und Hingabe, um das Schweigen als Liebeskiller. Schön!
Kent Haruf: Lied der Weite Diogenes
Colorado: Eine 17jährige wird schwanger und ihre Lehrerin bringt sie bei zwei alten einsilbigen Männern auf einer Ranch  unter. Aus anfänglichem Protest wird stille Hilfe. Wunderbar anrührende Geschichte mit einigen genauso tollen Nebengeschichten. Das müssen Sie lesen (Fortsetzung erscheint im Herbst)!
Wioletta Greg: Unreife Früchte / Beck
Ein kleines Dorf in Polen, 70er Jahre: Aus der Sicht eines Kindes werden kleine Geschichten über den Wahnwitz des Sozialismus und die Bigotterie des Katholizismus erzählt. Frust und Freude auf dem Land. Wunderbare witzige Miniaturen.