Textfeld: Roland Buti: Das Leben ist ein wilder Garten / Zsolnay
Eine demente Frau verschwindet aus dem Seniorenheim und ihr Sohn, ein Landschaftsgärtner, macht sich gemeinsam mit seinem Vorarbeiter auf die Suche. Sie finden sie in einem Luxushotel, in dem man sie anscheinend kennt und das ihr ein neues Zuhause bietet. Ein Sohn entdeckt das verborgene Leben seiner Mutter im zweiten Weltkrieg und gleichzeitig die sensible Seele seines Vorarbeiters aus dem Kosovo. Ein schönes Verschenkebuch!
Jaques Poulin: Volkswagen Blues / Hanser
Von Quebec bis nach San Francisco geht die Fahrt von Jack im VW-Bus, immer auf der Suche nach seinem verschwundenen Bruder Theo. Gemeinsam mit einer Tramperin und ihrem Kater erkundet er Städte und Landschaften. Die Schönheit des Kultromans des großen kanadischen Autors erschließt sich mir allerdings nicht.
Martina Borger: Wir holen alles nach / Diogenes
Ein wunderbarer kleiner Roman mit Happyend rund um aktuelle Themen: die Einsamkeit des Alters, die Überforderung von berufstätigen Müttern, die Vernachlässigung von Kindern, die Probleme einer Patchworkfamilie, der Verdacht von Missbrauch, Hunde als Allheilmittel. Und trotzdem gelungen!
Richard Roper: Das Beste kommt noch / Wunderlich
Das gabs noch nie: Einen Nachlassverwalter als Titelfigur!  Der sehr einsame und zurückgezogen lebende Andrew kümmert sich um die Begräbnisse von einsam Verstorbenen. Sein vor Kollegen mühsam aufgebautes Lügengebäude um ein glückliches Familienleben mit  Frau und Kindern droht einzustürzen, als Peggy als neue Kollegin auftaucht. Aber auch die hat ihr Päckchen zu tragen. Wie sich die beiden einander allmählich öffnen, ist mit solchem Humor und Einfühlungsvermögen geschrieben, dass es das Herz jedes Lesers wärmt! 
Patrick Hofmann: Nagel im Himmel / Penguin
Ein hochbegabter junger Mann aus dem ländlichen Sachsen macht sich auf, eines der großen mathematischen Rätsel der Welt zu lösen. Er ist ein Gefangener seiner Familiengeschichte und seiner Einsamkeit, schwankend zwischen abgrundtiefer Verzweiflung und geistigem Höhenflug, abhängig von wohlmeinenden geduldigen Professoren und komplizierten Frauen. Ein toller Trip in die Sphären der höheren Mathematik mit einem langweiligen Mittelteil und einem überraschenden Schluss. 
Victor Jestin: Hitze / Kein & Aber
Ein Campingplatz an der Atlantikküste: Ein 17jähriger überrascht seinen Freund bei einem Selbstmord und verbuddelt ihn aus einem Impuls heraus im Sand. Wie soll er inmitten feiernder Jugendlicher, beobachtet von seiner Familie und

Aktuell gelesen

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Textfeld: aufgeheizt durch seine Zuneigung zu einem Mädchen mit dieser Tat fertig werden? Der Roman beschreibt auf 160 Seiten zwei Tage im Ausnahmezustand. Und auch dem Leser wird heiß und der Sand juckt überall….
Nino Haratischwili: das achte Leben / Uölstein TB
Wenn Sie bis jetzt immer einen weiten Bogen um diesen nicht ganz taufrischen Wälzer mit seinen 1300 (!) Seiten gemacht haben, ist jetzt vielleicht endlich die Zeit gekommen, um ohne Pause lesen zu dürfen.
100 Jahre Geschichte Georgiens sind eng verwoben mit dieser Familiengeschichte, in der die Frauen die Hauptpersonen sind. Und vor lauter Intrigen, Hass, Verzweiflung, tragischer Liebe und politischen Verbrechen wir es nie langweilig. Und Geschichtsunterricht fürs Leben gibt’s gratis dazu. Endlich lesen! Auch für Männer!
Jodi Picoult: Der Funke des Lebens / C.Bertelsmann
Die Autorin steht für die gelungene Aufarbeitung gesellschaftlicher Probleme in spannenden Familiengeschichten. Hier sind es die mannigfachen Standpunkte zum Thema Abtreibung, das sie verpackt in einen Anschlag auf eine Abtreibungsklinik, bei dem auch die Tochter des leitenden Polizisten als Geisel genommen wird. Jede Figur wird mit ihren speziellen Problemen in Sachen Elternschaft stimmig beschrieben und das Ganze höchst spannend chronologisch rückwärts erzählte. Das wirkt zu Anfang verwirrend, führt aber zu einem Lesesog. 
Anne Müller: Zwei Wochen im Juni / Penguin
Den Plot kennt man zur Genüge: Zwei Schwestern räumen das Elternhaus nach dem Tod der Mutter aus und finden Briefe, durch die sie ihre Mutter besser verstehen können. Trotzdem spreche ich eine Empfehlung aus: die Figuren sind absolut authentisch, das Haus direkt an der Ostsee liebenswert, alle Reaktionen stimmig und nichts ist an den Haaren herbeigezogen. Eine wunderbare kleine Sommergeschichte! 
Katya Apekina: Je tiefer das Wasser / Suhrkamp
Zwei halbwüchsige Mädchen werden nach dem Selbstmordversuch ihrer äußerst labilen Mutter nach New York zum unbekannten Vater verfrachtet, einem berühmten Schriftsteller. Das sich wandelnde Verhältnis der beiden zu Vater und Mutter ist gut beschrieben, wechselnde Perspektiven der Freunden und Verwandten beleuchten die Gründe der gescheiterten Ehe, die Kunst wird als schicksalhafter Katalysator bemüht. Und doch lässt mich der hochgelobte Debütroman etwas ratlos zurück – genauso wie das schreckliche Titelbild – , da zu viele Fragen offen bleiben. 
Valerie Fritsch: Herzklappen von Johnson & Johnson / Suhrkamp
Eine junge Frau, die dem Leben immer wie abwesend und distanziert gegenüberstand, sitzt mit ihrem Kleinkind, das wegen eines Gendefekts keinen Schmerz kennt, am Bett der Großmutter, die nur noch Schmerz empfindet und deswegen Geschichten von Krieg, Not und Vertreibung erzählt. Textfeld: Literatur-Lesung: hören und genießen        Ulrike Wolz       85591 Vaterstetten        08106/7255       ulrike.wolz@onlinehome.de
Textfeld: Zusammen mit Mann und Kind macht sich die junge Frau schließlich auf Spurensuche in Kasachstan. Das Buch ergreift den Leser nicht wirklich, man staunt nur über seine überraschenden Gedanken und die wunderbare eindrucksvolle Sprache. Fehlende Dialoge lassen die Figuren leider blass bleiben, das Unwichtige wird ausgewalzt, das Herzstück der Geschichte zu kurz behandelt. Und doch möchte man gerne laut daraus vorlesen. 
Alex Wheatle: Home Girl / Kunstmann
Achtung Fäkalsprache aus dem Mund einer 14jährige! Doch schon bald merkt man, dass das nur ein Schutzschild einer zutiefst verstörten Jugendlichen ist, die von Pflegefamilie zu Pflegefamilie wandert und versucht ihr Herz abzuhärten. Zu stark sind auch die Einflüsse der Freundinnen aus der Betreuungsanstalt. Trotzdem schafft sie es, durch scharfe Beobachtung, leidvolle Erfahrung und Selbstanalyse - und natürlich wohlmeinenden Menschen - sich den Weg zu einem echten Zuhause offen zu halten. Wer den rotzfrechen Ton erträgt, wird mit einer guten stimmigen Geschichte (auch für pubertierende Kinder) belohnt.
Markus Orths: Picknick im Dunkeln / Hanser
Eine witzige, geistreiche und absurde Geschichte: Zwei Männer begegnen sich in völliger Dunkelheit: Wer sind sie? Was sollen sie hier? Wandernd kommen sie ins Gespräch und erzählen philosophierend von sich. Thomas von Aquin, der mittelalterliche Philosoph und Stan Laurel, der Komiker des Stummfilms. Es trennen sie 700 Jahre, unterschiedlichste Lebenserfahrungen und Weltsichten. Und doch sind sie ein aktuelles Vorbild für Toleranz und Verständnis für Andersdenkende. Eine tolle außergewöhnliche Leseerfahrung!
Tanya Tagaq: Eisfuchs / Kunstmann
Hilfe - ich fühle mich überfordert von diesem optisch so prächtigen Buch mit dem roten Schnitt. Ein Mädchen wächst in Grönland zur Frau heran, umgeben von gewaltiger Natur, gefangen im Wechsel von gleißender Sonne und finsteren Wochen, geprägt von Gewalttätigkeit, Alkoholismus und Drogen. Beschützt und bestraft von Göttern, Mythen und Naturphänomenen. Der Inhalt ist schwer zu verstehen, die Sprache ein Traum, in dem man sich verlieren kann. 
Louise Penny: Das Dorf in den roten Wäldern / Kampa
Der erste Fall für Chief Inspector Gamache führt ihn in ein Bilderbuchdorf in der Nähe von Quebec, in dem eine pensionierte Lehrerin mit einem Jagdpfeil getötet wurde. Bei der Suche nach dem Mörder, die sich – trotz des begrenzten Personals - schwierig gestaltet, verliebt sich der Ermittler in das charmante Dörfchen mit seinen sympathischen Bewohnern. Ein Krimi, der sich auf fast altmodische Weise Zeit lässt für seine Figuren und umso sympathischer daherkommt.